Beschaffungskosten, Steuern, Netzentgelte:
Der Erdgaspreis
setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: den Beschaffungskosten und
dem Vertrieb, den Steuern und
Abgaben, sowie den Kosten für den Transport (Netzentgelte).
Erdgasbeschaffungskosten:
Preise für Energie
und für Rohstoffe unterliegen weltweit marktabhängigen Schwankungen.
Steigt die weltweite Nachfrage, u. a. durch stark
wachsende Volkswirtschaften wie China und Indien, steigen auch die
Energie- und Rohstoffpreise. Nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes war Rohöl im August 2008 rund 59 Prozent teurer als noch 12
Monate zuvor.
Bei einer sinkenden
Nachfrage nach Rohöl setzt eine gegenläufige Entwicklung ein. So sind seit August
2008 die Preise für Rohöl um 55 Prozent gesunken.
Diesen
Preisschwankungen unterliegt auch der Energieträger Erdgas. In nahezu
allen Ländern Europas, auch in Deutschland, sind die
Erdgaspreise mit einem zeitlichen Verzug an die Ölpreise gekoppelt.
Staatliche Belastungen durch Steuern und Abgaben:
Der Erdgaspreis
wird durch den Staat deutlich erhöht: Fast ein Drittel des
Erdgaspreises, genauer gesagt 29 Prozent, fließt direkt an den Staat. Den größten Anteil hat die Mehrwertsteuer von 19 Prozent: Am Endkundenpreis macht sie
letztlich 16 Prozent aus. Zusätzlich wird der
Erdgaspreis durch die Erdgassteuer (neun Prozent), aber auch
Konzessionsabgaben (zwei Prozent), die von lokalen
Erdgasversorgern für die Einräumung des Wegerechts bezahlt werden,
belastet.
Hinzu kommen die Einnahmen aus einer Erdgasförderabgabe
(zwei Prozent), die in einigen Bundesländern auf die Gewinnung von
Erdgas und Erdöl erhoben wird.
Die Belastung des Erdgaspreises durch
Steuern und Abgaben hat sich erhöht. Insgesamt stiegen die staatlichen
Belastungen zwischen 1998 und 2008 um 69 Prozent – ohne
Berücksichtigung des Mehrwertsteuersatzes. Zwischen 1989 und 2008 nahm
der Staat damit rund 56 Milliarden Euro ein, davon über
38 Milliarden Euro Erdgassteuer, gut sechs Milliarden Euro Förderabgaben
und zwölf Milliarden Euro Konzessionsabgaben.
Netzentgelte:
Die Netzentgelte,
also die Kosten für die Leitungen, werden durch die Regulierungsbehörden
festgesetzt und sind somit nicht
bei der Preisgestaltung beeinflussbar.
Über 700
Netzbetreiber sind für den sicheren und zuverlässigen Betrieb ihrer
Netze und die Zusammenarbeit untereinander verantwortlich.
Mehr als 20
Millionen Haushalte sowie Gewerbe- und Industriekunden in Deutschland
werden über ein Erdgasleitungsnetz mit einen Länge von 438.000
Kilometern versorgt. Das entspricht ungefähr der Entfernung von der Erde
zum Mond. Eine sichere und zuverlässige Erdgasinfrastruktur erfordert dauerhaft
hohe Investitionen.
Zwischen 2000 und 2008 investierten
deutsche Netzbetreiber rund 16,5 Milliarden Euro in den Ausbau und
Erhalt der Infrastruktur.
Fazit:
Da die
Erdgasbeschaffungskosten nur einen Anteil des Erdgaspreises ausmachen,
wirken sich hohe, aber auch niedrige Ölpreise nur anteilig auf
den Gesamterdgaspreis aus.
Ein Sinken der
Ölpreise um z. B. 50 Prozent wird also niemals ein Sinken der
Erdgaspreise in gleicher Höhe bedeuten.